Visuelle Repräsentationen und mediale Selbstdarstellungen von Körper(lichkeit) sind heute allgegenwärtig – erkennbar an Fotostrecken in Zeitschriften, an neuen Formaten des Reality TV oder der Sozialen Medien (z.B. Instagram, Beauty-Blogs, YouTube-Kanäle). Die Ubiquität digitaler Medien führt zu wachsender Präsenz des Körpers, vor allem in visuell geprägten Medienumgebungen. Die Aushandlung von Körperlichkeit, Körpernormen oder -abweichungen bis hin zur Disziplinierung der Körpergestaltung (Überwachung und Kontrolle) ist zunehmend medial bestimmt. Den Kern dieser Entwicklungen bildet die visuelle Repräsentation und Visualisierung von Körper(lichkeit): Hierbei werden mediale Körperrepräsentationen und -praktiken visuell erzeugt, in Bildern (re-)produziert, distribuiert, modifiziert und angeeignet. Diese ‘Körperbilder’ sind zugleich eng verbunden mit (neuen) Formen gesellschaftlicher Machtverhältnisse und -ordnun­gen. Sie bilden vor allem einen zentralen Ausgangs- und Bezugspunkt für die Konstitution und Aushandlung symbolischer Geschlechterordnungen und -identitäten, und den damit verbundenen Dimensionen sozialer Ungleichheit, wie sie u.a. in der Intersektionalitäts­forschung sowie den Queer, Disability und Postcolonial Studies in den Blick genommen werden. Alles in allem bieten die aktuellen Ansätze im Bereich Visueller Kommunikation und der (kommunikationswissenschaftlichen) Geschlechterforschung sowie die potenziellen Verknüpfungen zwischen diesen Ansätzen ein breites Feld zur Erforschung mediatisierter und visuell konstituierter Körperlichkeit.

Auf diesem Feld ist die gemeinsame Tagung der Fachgruppen ‚Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht‘ und ‚Visuelle Kommunikation‘ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) e.V. angesiedelt. Sie wird ein Forum bieten für die Präsentation und Diskussion aktueller, theoretisch fundierter Forschungsarbeiten zu historischen wie zeitgenössischen Perspektiven auf Körper­repräsentationen, -praktiken und identitäre Aneignungen und Aushandlungen in und durch visuelle Medien. Neben professionellen medialen Angebotsformen (Journalismus, Werbung/PR usw.) und Kontexten (z.B. politische Kommuni­ka­ti­on, Gesundheitskommu­nikation, Protest-Kampagnen) sollen insbesondere mediatisierte visuelle Alltagspraktiken nicht-professioneller Akteur_innen (z.B. in Sozialen Medien) im Blickpunkt stehen. Denk­bare Themenfelder sind soziale Regulierungen und Disziplinierung des Körpers durch visuelle Medien und mediale Repräsentationsformen (z.B. Definition „normaler/ abwei­chen­der“, gesunder, schöner, begehrenswerter Körper; visuelle Inklusion/ Exklusion), der Umgang mit Visualität und Hasskommunikation (z.B. Fat Shaming als Bildsprache­muster), Affekt und Körper-Bilder (z.B. Visuelle Kommunikation und Sex Trafficking) und die Bedeutung von Vulnerabilität in der visuellen Repräsentation von Körpern (z.B. mediale Darstellung von Flüchtenden) oder medienethische Implikationen von Gewalt in und durch Bilder.

Die Tagung bietet Anschlussfähigkeit für vielfältige fachspezifische theoretische Perspek­tiven (z.B. Poststrukturalistische Körper-Diskurse; Normativität und Visualität; Visuelle Stereotype/Frames; Visueller Habitus und Body Images; Körper und Subjektkonstitution durch visuelle Medien; Wirkung visueller Kommunikation; sozialpsychologische Ansätze zu Körperrepräsentation, -wahrnehmung und -erleben), soll aber insbesondere auch Impulse zur interdisziplinären Weiterentwicklung von Theoriearbeit geben. Diese Schnitt­stellen werden nicht nur in inhaltlich-theoretischer Hinsicht thematisiert – durch die Öffnung für ein breites Spektrum qualitativer und quantitativer Verfahren und die Möglichkeit, innovative Methoden und Forschungsdesigns als Work in Progress zur Diskussion zu stellen, soll explizit auch ein method(olog)ischer Austausch anregt werden. Damit soll nicht zuletzt ausgelotet werden, welche theoretischen und methodischen Herausforderungen sowie analytisch-empirischen Anforderungen mit der Untersuchung der (Konstruktion, Aneignung, Wirkung von) Visualität medialer Körperrepräsentationen verbunden sind.

Zum Programm


Der Call for Papers zur gemeinsamen Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppen Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht und Visuelle Kommunikation „Körperbilder – Körperpraktiken“ lief bis 9. Mai 2016. Alle Vorschläge wurden in einem anonymisierten, so genannten „double blind“ Review‐Verfahren begutachtet und von zwei Reviewer_innen (je eine_r pro Fachgruppe) nach fünf Kriterien beurteilt, z. B. Plausibilität der theoretischen Fundierung oder Beitrag zum Forschungsfeld (Relevanz & Originalität).